
Ganz besondere Highlights haben ihren Weg nach Wittenberg in unsere aktuelle Sonderausstellung "Pest. Eine Seuche verändert die Welt" gefunden. Während der Laufzeit bis Ende Februar 2022 stellen wir einige Exemplare vor.
Nach der ersten verheerenden Welle von 1347 bis 1352 trat die Pest immer wieder in mehr oder weniger starken weiteren Wellen bis ins 18. Jahrhundert in Europa auf. Allerdings waren diese Wellen lokal und zeitlich nicht vorhersehbar. Manche Städte blieben jahrhundertelang verschont, in anderen wütete die Seuche dafür umso häufiger. Da naturwissenschaftliche Erklärungsansätze weitgehend fehlten, versuchten sich die Zeitgenossen das sporadische Auftreten der Pest durch das Wirken übernatürlicher Kräfte herzuleiten. Das zeigt sich unter anderem auch im Auftauchen der Seuche in sagenhaften Erzählungen. So findet sich oftmals das Motiv des Einfangens des Pesthauchs, den man sich als blaue Funken, Lichter oder Wolken vorstellte. In den Erzählungen wird er von findigen Zeitgenossen in Astlöcher oder andere Gefäße gebannt, dann aber versehentlich auch wieder freigelassen. So versuchte man sich das plötzliche Auftreten und Ende von Pestwellen zu erklären.
Im bis heute erhaltenen „Pestschinken“ von Friesoythe (bei Oldenburg) verbindet sich das Sagenmotiv auch tatsächlich einmal mit einem konkreten Gegenstand: Der Sage nach habe ein Friesoyther Bürger die Pest in den Schinken gebannt und damit die Stadt bis heute vor der Seuche geschützt. Tatsächlich weist der durch Rauch mumifizierte Schinken ein hohes Alter auf: Radiokarbondatierungen deuten auf eine Entstehung im 17. Jahrhundert. Der Schinken stammt somit auch wirklich aus einer Zeit, in der das Umland Friesoythes von der Pest heimgesucht wurde.


