
Die Wittenberger Museumsleiterin, Dr. Ruth Slenczka, widmet sich im Folgenden Luthers Ankunft in Worms vor genau 500 Jahren.
Heute vor 500 Jahren, am Dienstag, 16. April 1521 um 10 Uhr morgens läuteten in Worms die Glocken. Sie informierten die ganze Stadt lautstark über Luthers Ankunft. Nach einer zweiwöchigen Reise war der Reformator am Tagungsort des Reichstags angekommen. Nachdem seine Exkommunikation am 3. Januar 1521 rechtskräftig geworden war, ging es nun um die damit verbundene Verurteilung des Ketzers durch Kaiser und Reich. Friedrich der Weise hatte durchgesetzt, dass Luther dazu vor dem Reichstag angehört würde.
Der Reformator war nicht allein unterwegs: mit ihm im Wagen saßen drei Begleiter, ungefähr acht weitere ritten auf Pferden nebenher. Im Schutz von ca. 100 Bewaffneten, wohl von Franz von Sickingen von der Ebernburg geschickt, erreichte der Zug das Stadttor. Wie ein Popstar wurde Luther in Worms empfangen: Menschenmassen drängten durch die Straßen, um ihn zu sehen. Als er aus dem Wagen stieg, berichtet der päpstliche Gesandte Aleander nach Rom, sei ein Mönch auf ihn zugekommen, habe ihn umarmt und anschließend dreimal seine Kutte berührt, als ob Luther ein Heiliger wäre. Auch Bilder, die Luther wie einen Heiligen mit Strahlennimbus und Taube zeigten, waren im Umlauf. Um ihn besser kontrollieren und von seinen Anhängern abschirmen zu können, wollte Aleander den Reformator gerne im Quartier er Habsburger unterbringen; denn sein erklärtes Ziel war die Durchsetzung von Luthers Verurteilung; auch gegen die positive Stimmung, die diesem von der immer weiter wachsenden Zahl seiner Anhänger in Worms entgegenschlug. Aber die kursächsischen Räte hatten auf einer Unterbringung im Johanniterhof bestanden, wo auch Teile ihrer Delegation Quartier genommen hatten, zwei von ihnen schliefen mit Luther im selben Zimmer. An Rückzug, innere Sammlung oder gar Erholung von der anstrengenden Reise war nicht zu denken: Die Besucher gaben sich die Klinke in die Hand. Im Rückblick schreibt Spalatin in seinen Annalen:
„Und es ist ganz gewiss wahr, dass Gott den Doktor Martin auf dem Reichstag zu Worms in der Weise geehrt hat, dass er viel mehr Zuschauer und Publikum hatte als alle Fürstenund Herren. Solange er sich in Worms aufhielt, war seine Herberge jeden Tag von Leuten überlaufen.“
Aleander konnte sein Ziel durchsetzen – Luther erhielt zwar die Möglichkeit, seine Position vor dem Reichstag darzulegen, aber Kaiser Karl V. ließ sich auf keine Verhandlung ein. Im „Wormser Edikt“ wurde der Reformator verurteilt. Die Reformation konnte dadurch allerdings nicht mehr aufgehalten werden.
Nähere Informationen
Für nähere Informationen zu Luthers Auftritt vor dem Reichstag empfehlen wir
- die PDF-Datei "Luther auf der via regia" von Holger Volk, viaregia-sachsen-anhalt.de,
- den Artikel "Dem Teufel standgehalten" von Thomas Kaufmann, Frankfurter Allgemeine,
- das EKD-Themenheft zum Wormser Reichstagsjubiläum 2021 "Gewissen befreien. Haltung zeigen. Gott vertrauen."

