
Aus technischen Gründen war ein Livestream leider, trotz der Ankündigng, nicht möglich. Der Vortrag "Die Reformation als Ablassblase" aus unserer Reihe "Luther 1521" wurde demnach aufgezeichnet - aber eine Diskussion kam dennoch nicht zu kurz.
Über Ablass ohne Beigeschmack zu sprechen, ist schwierig. Bis zu Luthers Thesenanschlag genoss er höchstes Ansehen in breiten Schichten. Danach fiel sein Kredit ins Bodenlose. Seitdem gilt er als toxisch und behauptet seinen festen Platz als monströse moralische Fehlleistung bis heute. Indes, distanzierte Betrachtung hält Überraschungen parat. Beim Ablass wurde durch die Technik des Messens und Wiegens Schuld in eine Zahl transformiert. Als problematisch hingegen erwies sich die Verbriefung von Schuld in Ablassbriefen. Der dahinter stehende Mechanismus ist vergleichbar einer Regierung, welche dem Wunsch der Menschen nach Wohlstandssicherung durch eine Flut an frisch gedrucktem Papiergeld entgegenkommt. Eine vergleichbare Blasenbildung bedrohte auch die Papstkirche. Was wir Reformation nennen, war in Wirklichkeit eine Plenarablassblase, die Martin Luther zum Platzen gebracht hat.
Referent: Georg Habenicht war mehrere Jahre in Industrie und Wirtschaft tätig. Nebenher verfasste er als Autor zahlreiche kunst- und kulturgeschichtliche Bücher.

