
Der erste lutherische Jerusalempilger – und weitere Protestanten des 16. Jahrhunderts auf dem Weg in das Heilige Land
aus der Vortragsreihe "Museum nach Feierabend"
Martin Luther hat Wallfahrten immer wieder kritisiert. Dennoch zogen seit der Mitte des 16. Jahrhunderts auch zahlreiche Protestanten in das Heilige Land, um das Grab Jesu und die Stätten der biblischen Erzählungen zu sehen. Der erste von ihnen war – soweit wir bislang wissen – der spätere Hallenser Apotheker Wolfgang Holtzwirth. Das 1522 geborene Kind einer Hallenser Ratsfamilie wurde nach dem frühen Tod des Vaters in Eisleben und Manfeld bei Graf Albrecht von Mansfeld erzogen. Nach seiner Lehre arbeitete er in der Wittenberger Apotheke von Lukas Cranach und bracht von dort 1544 zu einer Reise nach Italien auf. In Rom arbeitete er in der päpstlichen Apotheke und traf dort den böhmischen Mathematiker und Instrumentenbauer Ulrich Prefat von Vlkanov, mit dem er 1546 gemeinsam in das Heilige Land reiste. Das handschriftliche Gedenkbuch Holtzwirths beschreibt nicht nur diese Reise, sondern auch seine anschließenden Lebensstationen, die über Tallin, Wittenberg und Nowgorod schließlich wieder nach Halle führten, wo er 1555 die noch heute bestehende Löwen-Apotheke gründete.
Was wir von dieser Reise und über die an sie gepflegten Erinnerungen wissen, lassen sich andere Reiseberichte aber auch Bildzeugnisse aus Mittel- und Norddeutschland an die Seite stellen. Sie berichten von anderen Bürgern oder Adligen, die sich trotz – oder auch wegen (?) – ihres protestantischen Bekenntnisses auf die Pilgerfahrt zu den Spuren Jesu im Heiligen Land begaben.
Der Referent Dr. Hartmut Kühne studierte an der Kirchlichen Hochschule Berlin (Ost) und an der Theologischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin Evangelische Theologie. Er war von 1993 bis 2008 an der Humboldt-Universität zu Berlin als wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig. Seit 2009 ist er freiberuflich für verschiedene Ausstellungs- und Forschungsprojekte tätig.

