Sonderausstellungen

01. Oktober 2020 bis 31. Oktober 2022
Luthers Sterbehaus | Lutherstadt Eisleben

Raus mit der Sprache!

Die Sprache Martin Luthers hat die Welt bewegt: Seine und unsere heutige Sprache werden in unserer Mitmachausstellung „Raus mit der Sprache!“ in Eisleben erfahrbar – experimentell, interaktiv und spielerisch!

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24. Juni 2022 bis 09. Juli 2023
Augusteum | Lutherstadt Wittenberg

Tatort 1522 – Das Escapespiel zur Lutherbibel

Zum 500-jährigen Jubiläum von Luthers Bibelübersetzung präsentieren wir eine Mitmachausstellung im Escape-Raum-Format. Die Ausstellung ist für Schulklassen sowie für Familien und Erwachsenen-Gruppen geeignet.

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Luther und das Pfingstfest

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Vogelschießen zu Pfingsten
31. Mai 2020
Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt

Im Gegensatz zu vielen anderen überkommenen Festen im Kirchenjahr (z.B. Heiligenfeste oder Fasnacht) hatte Luther an Pfingsten nichts grundsätzlich auszusetzen. Er leitete es (fälschlicherweise) von „eyn findestag“ ab, den Tag, an dem man das Evangelium gefunden habe. Als guten Kenner des Griechischen hätte ihm jedoch bewusst sein müssten, dass sich der Begriff von „pentēkostē hēméra“, dem 50. Tag herleitet, der zeitlichen Spanne zwischen Ostern und dem Pfingstsonntag.

Nur gegen den weit verbreiteten kirchlichen Brauch des „Heilig-Geist-Schwingens“ hatte er dann doch etwas auszusetzen. Hierbei wurde während der Messe am Pfingstsonntag eine hölzerne Taube über den Köpfen der Gemeinde vom Kirchenschiff herabgelassen oder sogar lebende Tauben freigesetzt. Er nahm diesen Brauch in eine lange Liste von „Gräueln“ auf, gegen deren Fortführung er die Geistlichen vermahnte.

Für die Bevölkerung war Pfingsten jedoch eine Zeit der Volksfeste und Spiele. Auch Luther nahm daran keinen Anstoß, sondern freute sich vielmehr über die festliche Kleidung, die seine Landsleute zu diesem Feiertag anlegten. Er befürwortete es sogar, dass Mädchen sich mit Festgewand und Kränzen schmückten. „Wen dw eyn krenczleyn, rothen rock anczewhest, tunc memento illius festi, quid orandum et feriandum, pro duplici regimento scilicet.“ (Wenn du ein Kränzlein und roten Rock anziehst, dann gedenke dieses Festes, an welchem wir beten und feiern sollen, nämlich wegen der zwei Regimenter). Es missfiel ihm nur, dass etwa der beliebte Brauch des Vogelschießens am Sonntag stattfand. Schon in den Fastenpredigten von 1522 schlug er daher vor, die Bürgermeister möchten doch darüber nachdenken, das Vogelschießen auf einen Werktag zu verschieben, da dies nicht zu den notwendigen (und damit erlaubten) Werken am Feiertag gehöre.

Das Vogelschießen war ein beliebter Sport in der Stadt, der von der örtlichen Schützengilde über Jahrhunderte hinweg gepflegt wurde. Hierbei schoss man um die Wette auf einen lebenden Vogel, später auf eine hölzerne Attrappe, die an der Spitze einer langen Stange angebracht war. Anfangs nahm man dazu noch Pfeil und Bogen, später Armbrüste und zuletzt Büchsen und Gewehre. Auf einigen Darstellungen Wittenbergs kann man die langen Stangen gut erkennen, die am Schützenplatz am Elbufer unweit der Elbebrücke dafür aufgestellt waren.

Luther kennt das Spiel gut und erwähnt es als Gleichnis in seinen Predigten: „Den Vogel abschießen“. Offenbar umfasste das Wettschießen nach dem „Kleinod“ auch einen Wettlauf, da er ausführt: „Sic fuit apud gentes mit dem rennen und lauffen et adhuc hodie, es hat golten ein kleinot, darumb man scheusst und laufft“. (So war bei den Vorfahren mit dem Rennen und Laufen, und ist es bis heute, es ging um ein Kleinod, um das man um die Wette schießt und läuft). Luther hat dann auch gleich einen mehr oder weniger hilfreichen Rat für die Schützen parat: „Sic quando schuetz will nach dem fogel schiessen und ipse retro, so wird er den avem langsam treffen.“ (Wenn ein Schütze nach dem Vogel schießen will und sich dabei umdreht, wird er den Vogel verfehlen.)

Ein weiterer an Pfingsten beliebter Wettbewerb war das Wettrennen. Bei diesem stand dem schnellsten Läufer ein Siegerpreis von 1 oder 2 Gulden, ein Hosentuch, ein Kranz oder eine Krone in Aussicht. Luther übersetzte das in die Predigt: „Qui vincit, der gewinnt die coronam, krantz. Qui vult spielen, rennen, lauffen, der mus yhm das ziel aus den augen nicht lassen reumen“ (Wer siegt, gewinnt die Krone, den Kranz. Wer spielen, rennen, laufen will, der darf das Ziel nicht aus den Augen verlieren.) Wieviel kostbarer als diese Krone, erklärte Luther in einer Predigt aus dem Jahre 1539, ist erst die unvergängliche Krone, die es beim Wettlauf um den wahren christlichen Glauben zu gewinnen galt? 

Auch das Topfschlagen erwähnte der Reformator im Zusammenhang mit den Pfingstbräuchen. So wie heute noch vor allem bei Kindergeburtstagen, spielte man das Spiel mit einem Teilnehmer, dessen Augen verbunden waren und der zur Erheiterung aller mit einem Schlaginstrument einen Tontopf zu treffen versuchte. Luther verglich die Misserfolge der lutherischen Gegner, des Papstes, Zwinglis oder Müntzers, mit den tollpatschigen Fehlschlägen der topfschlagenden Spieler.

Und noch einen weiteren Wettkampf überliefert Luther, der an Pfingsten ausgetragen wurde: Das Tonnenstechen. Leider ist aus Wittenberg keine Beschreibung des Wettspiels bekannt, aber aus anderen Gegenden kennt man das Spiel als eine Art Fischerstechen, bei der man vom Boot aus eine im Wasser treibende Tonne mit einem langen Spieß treffen musste (und wohl ständig dabei Gefahr lief, zum Amüsement der Zuschauer ins Wasser zu fallen, also eine „Taufe“ zu bekommen). Luther erwähnt das Tonnenstechen bei einem Tischgespräch im Zusammenhang mit der christlichen Taufe: „sind wir der tauff nicht also gewonett, ut qui illius actum celeberrimum negligamus et minimo aliquo spectaculo, einem tonnen stechen, nachlauffen?“ (Sind wir an die Taufe nicht schon so sehr gewöhnt, dass wir sie als einen raschen Akt vernachlässigen und sie nicht vielmehr wie irgendeinem Spektakel, einem Tonnenstechen, nachlaufen?)

Ob Luther jedoch das Mansfelder „Dreckschweinfest“ kannte? Das soll ja angeblich bereits in vorchristlicher Zeit Vorläufer gehabt haben, ist aber schriftlich erst ab 1620 belegt. Und Luther? Der schweigt sich dazu zur Abwechslung mal aus. Immerhin, das Pfingstbier kennt er, dessen Herstellung immer ein Anlass für fröhlich-feuchte Volksfeste war. Vielleicht zechte dann auch Luther mit.

 

Bildnachweis: Olaus Magnus, Beschreibüng allerley Gelegenheyte, Sitten, Gebräuchen und Gewonheyten, der Mitnächtigen Völcker in Sueden, Ost unnd Westgothen, Norwegen unnd andern, gegen dem eussersten Meer daselbst hinein weiter gelegenen Landen; Strassburg 1567, Buch XV, Kap V; http://runeberg.org/olmagnus/0587.html

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